TatWort

Es ist ein altes Sprichwort, dass der bestimmt gehängt wird, der zu viel die Wahrheit sagt. George Bernard Shaw

Die berufenen Verdächtigen:

César d’Argent

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Mein Name ist César. César d’Argent. Ich wurde drei Jahre vor Herr von Hirschfeld geboren und zwar in Paris. Wenn ich allerdings an meine Kindheit zurückdenke, denke ich an Nantes, die Hafenstadt im Norden Frankreichs. Dorthin zog meine Familie nämlich. Wie sie wissen, bin ich ein bekannter Künstler. Doch die Verhältnisse, in denen ich aufwuchs, waren dem widrig. Es ist der Verdienst meiner Großtante, mich zurück nach Paris geholt zu haben, wo ich erstmals Kunstunterricht bekam. Oh, welch Lust es war, die Farben der quirligen Großstadt aufs Papier zu bannen. Ich nehme an, Sie lächeln jetzt, weil ich so enthusiastisch erzähle. Vielleicht sind Sie auch erschüttert, wegen des Schicksals das mir widerfahren ist. Leider kann ich Ihre Mimik nicht sehen. Wie Sie wissen, erblindete ich nach einem tragischen Unfall. Es war während einer Zugfahrt. Ich hatte gerade ein junges Mädchen erblickt, die sich als Motiv wunderbar geeignet hätte. Doch gerade als ich sie ansprechen wollte, warf ein Unbekannter einen Stein auf den Zug. Er zerschlug das Abteilfenster, die umherfliegenden Glassplitter schnitten mir tiefe Wunden ins Gesicht – und zerstörten mir die Augen. Das junge Mädchen sah ich nie wieder und ich weiß bis heute nicht, wer sie war. Ich versank in einer nie dagewesenen Dunkelheit. Doch ich ließ mir die Kunst nicht stehlen. Schon immer hatte ich mich für Skulpturen interessiert. Mit den Händen konnte ich sehr wohl noch spüren. Sie sollten meine neuen Augen sein. Aufgrund meiner Erblindung war ich gezwungen, selbst zum Erschaffer marmorner Büsten zu werden. Die Arbeit, die mir Herr von Hirschfeld in Auftrag gab, empfand ich als besonders reizend: ich sollte ein Büste von einem seiner Freunde anfertigen. Dieser Urs von Schra stellte sich als gewohnheitsmäßiger Trinker heraus. Ich spürte die Folgen dieser Sucht an seinen ausgeprägten Gesichtszügen, während ich das Aussehen des Freundes ertastete. Schließlich fertigte ich eine Büste von ihm an, bei der ich seine Physiognomie bis ins Bizarre übertrieb. Die Fachpresse lobte meine Arbeit als überaus originell. Doch davon kommt mein Augenlicht auch nicht zurück. Wenn ich nur wüsste, wer den Stein warf. Und wer das hübsche Kindchen war, das meine Augen zuletzt erblickten.

Heidrun von Hirschfeld

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Mein Name ist Heidrun von Hirschfeld und ich bin die Frau des Hausherren und Veranstalters der heutigen Party. Ich besitze ein eher stilles Wesen, rede nicht, wenn ich nicht gefragt werde und bin generell nicht der Typ Frau, der ausschweifende Erzählungen von sich gibt. Ich höre gerne zu, wenn die Männer sich unterhalten und gehe nebenher oder auch allein im stillen Nebenzimmer meinen Näh-, Stick-, und anderen Handarbeiten nach, die sich für eine Frau ziemen. Auch meine äußerliche Erscheinung ist eher schlicht, ich hörte die Freunde meines Mannes mich oft ‚graue Maus‘ nennen, doch das ist schon in Ordnung, ich weiß es ja selbst. Dunkelblonde Haare, helle Haut und braune Augen, dazu nicht gerade die beste Figur. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht dick, jedoch mangelt es mir an den weiblichen Kurven, die Männer an Frauen so schätzen. Zusätzlich bin ich nicht gerade klein gewachsen… es wundert mich nicht, dass mein Mann mich im Gespräch mit seinen Freunden des Öfteren als ‚unattraktiv‘ bezeichnet hat. Meine Kleidung ist zwar elegant und ich trage immer Ketten und Armreife, doch was nützt es einem, wenn das Gesicht und die Figur nicht dazu passen?

Ich kann froh sein, meinen Mann zu haben, das kann ich wirklich. Ich wurde nie viel umworben, obwohl meine Familie wohlhabend ist. Keiner wollte mein Geld, wenn er dabei auch mich nehmen musste. Doch mein Mann, der hat mich gewollt, ich glaube er hat mich auch geliebt. Jedoch wurde ich ihm schnell zu öde. Ich liebe meine Stickarbeiten, kann mich damit den ganzen Tag beschäftigen, ohne ein Wort zu sagen. Ich glaube, mein Mann hatte sich mehr erhofft, Sie verstehen, sexuell. In letzter Zeit habe ich ihn oft mit dem Dienstmädchen reden hören und lachen. Ich würde nur zu gerne wissen, was sie und mein Mann hinter meinem Rücken für ein Spiel spielen.

Urs von Schra

Bild Kiteratur Verdächtiger 3Der Urs von Schra bin ich, Preuße mit Herzblut und Seelenschmalz. 54 und den werten Hausherrn kenne ich seit der deutschen Militärakademie. Da waren wir noch dumme kleine Kadetten. Der Spieß hat uns manchmal ein wenig um den Verstand gebracht, doch wir hatten immer uns beide. Danach hatten wir uns ein wenig zerstritten – zugegeben ich kann mich nicht immer beherrschen – aber es waren nur monetäre Nichtigkeiten. Alles musste an seinem Geburtstag vergeben sein. Ich hatte mich deshalb gewissermaßen selbst eingeladen. Doch es wird sich alles zum Besten ausrichten. Dabei wird mir sicherlich die eine oder andere Flasche helfen, damit sich meine Zunge lockert. Ja, es ist ein befreiendes Gefühl, wenn endlich der Schleier des konventionellen Zwangs und der Ernsthaftigkeit fällt. Ich will nicht sagen dass ich für die Dinge aus der Vergangenheit Leid empfinde. Männerfreundschaften müssen das überstehen! So habe ich mich also selbst eingeladen. Meine Adresse hätte er sowieso nicht gefunden, die ist gerade etwas….diffizil. Eine erneute Aussprache erscheint mir angebracht. Freundschaften müssen immer wieder aufpoliert werden, so wie eine gute Waffe. Sonst rostet sie! Das war nun meine Aufgabe des Abends. Denn es war ziemlich nötig. Ich vermisste es, über den Krieg mit jemandem zu reden, der Ahnung hatte. Nicht wie diese feinen Pinkel, die immer nur nickten, aber niemals an der Front standen. Feiglinge! Nun ja, es trifft sich gut, denn meine Ressourcen sind etwas knapp, deshalb wollte ich den Hausherrn auch um eine kleine Leihgabe bitten. Ich würde ihm das natürlich alles zurückzahlen. Wirklich. Man ist ja auch älter und vernünftiger geworden.

Das Hausmädchen? Welches Hausmädchen? Ist mir nicht aufgefallen. WAS? Ein Mord ist geschehen?

Albert, der Butler

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Ich heiße Albert und bin stolze 58 Jahre. Ich beglücke die Familie und die Gäste des Hauses jeder Zeit mit Getränken, guten Speisen und was das Herz begehrt. Kochen tue ich selbstverständlich nicht. Obwohl der Hausherr noch nicht lange vermögend ist, habe ich ihm schon viele Jahre gedient, später dann natürlich auch seiner Familie. Ich würde es niemals wagen, Fragen über die Finanzen zu stellen, eher würde ich sterben! Der Hausherr bezahlt mich stets pünktlich und nicht gerade schlecht. Ich liebe meinen Job, da er meinem stillen, aber doch freundlichen Charakter sehr gelegen kommt. Außerdem bombardiert mich niemand mit Klatsch, da ich ja kein Teil der exklusiven Gesellschaft bin. Ich besitze die Ehre, ebenfalls in dem Anwesen hausen zu dürfen. Ich teile mir im Dachgeschoss, zusammen mit dem Hausmädchen Minna, seit einiger Zeit, ca. 2 Jahren zusammen ein Apartment, natürlich mit separaten Schlafgemächern. Davon kann ich nur träumen. Seit Minna eingezogen ist, empfinde ich ihr gegenüber eine unsittliche Liebe! Sie hat so viel Lebensfreude in dieses triste Haus gebracht. Aber sie ist doch so jung! Ich schäme mich innerlich für meine Empfindungen ihr gegenüber, aber so viele attraktive Damen gibt es hier nunmal nicht. Niemals würde ich mich trauen, solch einer jungen, fidelen Dame den Hof zu machen, das wäre ja die Höhe! Als ob solch eine Frau von Schönheit etwas von mir, einem in die Jahre gekommenen, grauhaarigen, leicht adipösen, wenn doch sehr sehr herzlichen und freundlichen Mann wollen würde. In welchem Leben denn? Selbstverständlich spreche ich mit niemandem in diesem Haus darüber. So etwas schickt sich für meinen gesellschaftlichen Stand sicher nicht. Aus diesem Umstand jedoch geht es mir zunehmend schlechter. Die unerwiderte Liebe schlägt mir doch sehr auf den Magen und mein bisher eigentlich immer sehr angenehmes Leben im Hause Hirschfeld hat in diesen Tagen einen dunklen Begleiter bekommen.

Wilhelmina Wolff
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Mein Name ist Fräulein Wilhelmina Wolff. Über ihr Alter sprechen Damen ja für gewöhnlich nicht, aber sagen wir, ich habe rund dreieinhalb wunderbare Dekaden hinter mir. Ich bin bereits seit einigen Jahren Lehrerin für Deutsch, Handarbeit und Schönschreiben an der Höheren Töchterschule St. Ursula. Das erklärt doch zweifellos den langen schwarzen Gehrock, das schmucke Halstuch und den Hut, nicht wahr? Ich habe allerdings auch einen Abschluss in Geschichte und Religion, der vorsätzlich ignoriert wird, da manche Eltern Bedenken hatten – nennt man mich doch hinter meinem Rücken einen Freigeist. Aber ich weiß damit umzugehen. Schließlich kann ich auch streng sein, wenn es denn sein muss. Statt Rohrstockzüchtigung bevorzuge ich ja Worte als Waffe. Herr von Hirschfeld jedenfalls, schickte seine Tochter Klara auf diese ehrenwerte Schuleinrichtung, die zur Vorbereitung der Mädchen auf ihre späteren häuslichen Pflichten als Gattin und Mutter dient.

Minna hatte ich bis heute nicht persönlich gekannt. Ich weiß nur, dass Klara und das junge Hausmädchen befreundet waren. Ziemlich eng sogar, meine ich. Ihrem Vater sowie der Schulleitung missfiel das ungemein. Sie hielten sie für schlechten Umgang. Um herauszufinden, ob Minna die gute Klara zu dieser Bekanntschaft mit ihr zwang – was ich natürlich für absolut närrisch halte – wurde ich zu dieser Feierlichkeit eingeladen. Ich sollte der Sache auf den Grund gehen und mit Minna in einer ruhigen Minute ein ernstes Wort sprechen. Ich für meinen Teil finde ja, dass man seinen Horizont stetig erweitern sollte. Und junge Frauen sollten ihrer Mündigkeit ruhigen Herzens selbst trauen, statt sich einschüchtern zu lassen. Doch nageln Sie mich nicht darauf fest – im Zweifel würde ich alles abstreiten und behaupten, es ginge um Fertigkeiten der Näharbeit. So und nicht anders gehört es sich doch für junge Mädchen – nicht wahr?

Finn O’Malley

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In einem kleinen irischen Fischerdorf geboren, wuchs ich in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Vom großen Hunger und gewalttätigen Eltern wurde ich in noch jungen Jahren aus meinem Heimatland vertrieben und suchte Schutz in Deutschland. Hier schien mir das Leben wie ein Traum: Ich traf meine große Liebe und schon bald nach der Hochzeit sollte unser erstes Kind das Licht der Welt erblicken. Doch mein Schicksal wendete sich abermals zum Schlechten. In einer unvergessen tragischen Nacht verlor ich Frau und Sohn noch im Kindbett, was mir wohl für alle Zeiten das Herz brechen sollte.
Nach Monaten der Trauer und Verzweiflung kam mir plötzlich eine zündende Geschäftsidee, die mich in kürzester Zeit nicht nur unglaublich reich, sondern auch zu einem hochgeachteten und respektablen Mann machte.  Und so stieg ich aus der Asche meines Lebens wie ein Phönix empor.
Das ist zumindest die Geschichte, die ich meinen Mitmenschen von mir erzähle.
In Wahrheit bin ich ein durchtriebener Gauner und Tunichtgut, der längst über die gewöhnlichen Taschenspielertricks hinaus ist. Mit meinem guten Aussehen und der galanten Art wickle ich einfach jeden um den Finger.
Meine Beweggründe hierfür sind simpel: Geld, Frauen und das pure Vergnügen, andere möglichst hinterlistig aufs Kreuz zu legen.
Derzeit arbeite ich an einem besonders großen Coup, wofür ich mir das Vertrauen des Herrn von Hirschfeld erschlich, ein einflussreicher Geschäftsmann im Import/Export-Gewerbe. Meine Kumpanin schleuste ich schon vor Monaten in sein privates Haus ein, um ihn auf zwielichtige Angelegenheiten hin zu prüfen. Schließlich muss man als professionelles Schlitzohr sehr achtsam sein. Getarnt als Hausmädchen hat sie Zugang zu allen Räumlichkeiten und kann ihn rund um die Uhr abhören. Wir sind ein Team seit wir als Kinder zusammen Äpfel klauten und funktionieren reibungslos als durchtriebenstes Verbrecherduo der Welt. Für diesen Meisterstreich haben wir dem Hausherrn eine Falle in seinem Arbeitszimmer gestellt, die wir vor dem großen Showdown heute Abend noch präparieren müssen. Dabei müssen wir allerdings vorsichtig sein, da es sich um einen von mir ausgeklügelten neuen Trick handelt. Nicht einmal meine Komplizin konnte ihn richtig durchschauen.
Ob Finn O’Malley mein richtiger Name ist? Unwahrscheinlich…

Die Ermittlungsergebnisse von Watson:

Da es nicht der Gärtner war
Da es nicht der Gärtner war 1Da es nicht der Gärtner war 2Da es nicht der Gärtner war 3Da es nicht der Gärtner war 4

Ein Mörder kommt selten allein – Autoren: Kata, Gregory und Alex
Ein Mörder kommt selten allein 1Ein Mörder kommt selten allein 2Ein Mörder kommt selten allein 3Ein Mörder kommt selten allein 4

Es ist immer der Gärtner
Es ist immer der Gärtner 1Es ist immer der Gärtner 2

Die Feder ist mächtiger als das Schwert
Die Feder ist mächtiger als das Schwert 1Die Feder ist mächtiger als das Schwert 2

Und César war es doch – Autor: Jörg alias César

Die drei Bücher im Schrank? Meine Werkausgabe. Das Hausmädchen war so lieb, mir daraus vorzulesen. Dann aber betrat Urs von Schra den Raum – und das Hausmädchen erkannte ihn wieder als den Mann, der damals den verhängnisvollen Stein auf den Zug warf. Sie hatte ihn damals auf der Zugfahrt gesehen, wie er, betrunken anscheinend und es für einen Spaß haltend, einen gar nicht mal großen Stein, fast noch ein Kiesel, in Richtung des schnaubenden Dampfrosses schleuderte. Das Hausmädchen hatte ihn gesehen! Doch das anschließende Trauma hatte diese Erinnerung überdeckt. Sie war also das hübsche Kindchen, das mir in dem Augenblick, bevor ich erblindete, gegenüber saß! Und dieser Mann hier, dieser Urs von Schra, war schuld am Verlust meiner Sehkraft! Voller Wut schlug ich um mich! Mir geriet die Büste, die ich von diesem Urs angefertigt hatte, in die Hände. Ich fühlte einen Kopf vor mir, -das musste seiner sein- und schlug zu. Doch, oh Weh, ich hatte in meiner blinden Wut nicht den Täter erschlagen, sondern das Hausmädchen. Welch tragische Verwechslung! Urs von Schra bot mir an, Stillschweigen zu bewahren, solange auch ich niemandem über seinen damaligen Steinwurf erzählen würde. Ich konnte nicht anders, als einzuwilligen, denn nach dem Augenlicht auch noch meine Freiheit zu verlieren? Urs von Schra stellte die Bücher wieder an seinen Platz und wir verließen zügig den TatWort.

Eine Ernüchternde Überraschung – Autoren: Ulrich Pirling & Michelle Allion

Text Eine ernüchternde Überraschung 1Text Eine ernüchternde Überraschung 2

 

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